Geschichte

Korbinians Apfelbäume als Zeichen für Demokratie

In Schmißberg wurden drei sogenannte Korbinians Apfelbäume gepflanzt. Die Bäume erinnern an die Schrecken der NS-Zeit und sind ein Zeichen für die Demokratie. Mehr Informationen dazu liefert die Station 8 des Schmißberger Audiowanderweges.

vom 19. Juni 2024

Entlang der Schmißberger Obstbaumallee wurden drei Korbinians Apfelbäume gepflanzt - als Erinnerung an die Schrecken der NS-Zeit und als Zeichen für Demokratie.

Nie wieder ist jetzt!

Der Bauernsohn und Pfarrer Korbinian Aigner, 1885 geboren, lehrte seit etwa 1912 Zeichnen am Knabenseminar Scheyern. Der bayerische Pfarrer gehörte zu den mutigen Geistlichen, die offen gegen die Hitler-Diktatur auftraten. Im Religionsunterricht und in der Kanzel predigte er gegen die Verbrechen der Faschisten.

Deswegen wurde Korbinian Aigner als Gegner der Nationalsozialisten im Dritten Reich denunziert und wegen „Beleidigung des Führers“ zu sieben Monaten Haft verurteilt. Danach wurde er von der Gestapo ins KZ Sachsenhausen bei Berlin gebracht. Ein Jahr später, im Oktober 1941, wurde er ohne ausreichende Kleidung, unterernährt und misshandelt in das KZ Dachaus bei München verlegt.

In Dachau wurden viele Geistliche in einem speziellen Sammellager untergebracht, die als Gegner der Nazis galten. Es waren 3.000 Pfarrer und Priester.

Die im KZ Dachau inhaftierten Pfarrer und Priester wurden in einer riesigen Plantage eingesetzt. Diese nannten die Nazis „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“. Deutschland sollte hier unabhängig von Medikamenten-Importen gemacht werden.

Die Kommunikation der Nazis war menschenverachtend und infam. Nach außen ging es im sogenannten „Kräutergarten“ um die „Gesundung des deutschen Volkskörpers“. In Wirklichkeit geschah die landwirtschaftliche und gärtnerische Arbeit unter äußerst brutalen Bedingungen und zwar auf Grundlage des Programms „Vernichtung durch Arbeit“ denn schon beim Aufbau der Plantage starben über 400 Häftlinge.

Pfarrer züchtete Apfelsorten im KZ

Pfarrer Korbinian nutzte die Jahre im KZ, um heimlich vier neue Apfelsorten zu züchten. Er hatte schon in seiner Jugendzeit und als Theologiestudent eine große Leidenschaft für den Obstanbau entwickelt.

Im Dachauer Konzentrationslager züchtete er zwischen den Baracken Äpfel. Aigner gab den verschiedenen Sorten Namen: KZ-1, KZ-2, KZ-3 und KZ-4. Es gelang, Sämlinge der Sorte KZ-3 aus dem Lager zu schmuggeln. Zu seinem Andenken wurde diese Sorte in „Korbiniansapfel“ umbenannt.

Pfarrer Korbinian Aigner überlebte das KZ und die Nazi-Diktatur. Der sogenannte „Apfelpfarrer“ wurde später Vorsitzender der Obst- und Gartenbauvereine in Bayern. Aigner sagte, dass die Apfelbaum-Zucht im KZ Dachau für ihn eine Möglichkeit gewesen sei, dem mörderischen Abgrund neues Leben entgegenzusetzen.

Korbinians Apfelbäume werden heute weltweit als Erinnerungsbaum gepflanzt, als Erinnerung an die Schrecken der NS-Zeit und als Zeichen für Demokratie, so auch in Schmißberg. Die drei in der Schmißberger Obstbaumallee gepflanzten Bäume leisten zudem einen sozialen Beitrag, indem der Ertrag zur Erntezeit sozial bedürftigen Menschen aller Nationalitäten zugeführt wird.

Korbinians Apfelbäume: Projekt wurde gefördert

Das Projekt wurde vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ gefördert und vom Obst- und Gartenbauverein Hoppstädten-Weiersbach unterstützt.


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