Dorfchronik

So herrschte Napoleon auch über Schmißberg

Die Franzosen waren in der Zeit von Napoleon auch in der Umgebung von Schmißberg aktiv. Das belegen Grenzsteine aus dieser Zeit, die bei Schmißberg gefunden wurden.

vom 31. Januar 2024 I von Hans D. Ruppenthal

Ein französischer Grenzstein nahe Schmißberg aus dem Jahr 1807.

Dieser Text ist zu erst in der Schmißberger Dorfchronik „Schmißberg 1367 bis 2022“ erschienen.

Kriege kosten Geld, viel Geld. Unter Napoleon führte Frankreich Kriege, viele Kriege, Kriege gegen Bündnisse, die aus vielen Gegnern bestanden, Koalitionskriege genannt. Nach Beendigung des Zweiten Koalitionskrieges durch den Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801 wurden die Gebiete links des Rheins endgültig ein Teil der Republik Frankreich. Und Napoleon führte weiter Kriege, benötigte weiterhin viel Geld, ließ dafür viele Steuern erheben. Diese durften seine Untertanen, die jetzt „freie Bürger“ waren, unfreiwillig zahlen, beteiligten sich so an der Finanzierung der Kriege, an denen sie unfreiwillig teilnehmen mussten.

Auf der Suche nach Einnahmen aus den „neu erworbenen“ linksrheinischen Gebieten stieß die französische Verwaltung auf ein bisher unzulängliches Vorgehen zur Bewertung von Grund und Boden. Aus steuerlichen Gründen veranlasste sie daher eine genaue Vermessung der Gemarkungen und Parzellen nach französischem Vorbild. Der Präfekt des Rhein-Mosel Departements erließ im Dezember 1803 Bestimmungen zur Landvermessung und mit der Absteinung der Gemarkungen wurde im Naheraum 1807 begonnen.


Dorfchronik

Dieser Artikel ist Teil der im Herbst 2022 erschienenen Schmißberger Dorfchronik „Schmißberg 1367 bis 2022“. Die Chronik mit mehr als 230 Seiten kann zum Preis von 23 Euro bei Ortsbürgermeister Rudi Weber (06782 – 40439) erworben werden.


Ein Grenzstein aus dem Jahre 1807 stand zwischen dem Schmißberger Eck und dem Kloppwald in einem Grenzgraben. Seit dem 4. August 2005 kann man ihn in der Außenanlage des Heimatmuseums Birkenfeld bewundern. Wie auf der Kopffläche des dreieckigen Steins zu erkennen ist, stießen hier einst die Gemarkungen der Gemeinden Birkenfeld, Elchweiler und Schmißberg zusammen. Sehr sorgfältig ist der Sandstein bearbeitet, nur die Ecken des ansonsten gut erhaltenen Steins sind beschädigt. Seine mittlere Höhe beträgt 57 Zentimeter, die Breite der Seitenflächen etwa 31 Zentimeter.

Gebiet wurde mittels „Triangulation“ vermessen

Auf der Seite mit der Jahreszahl 1807 sind „BIRKENFELT“ (R und K sind als Ligatur geschrieben, das „N“ als Umklappung), „H“, „W“ und eine kleine Nummer „N 86“ zu lesen. Die zweite Seite ist mit „EILGWILER“ und den Nummern „N 35“ und „N 66“, die dritte Seite mit „SCHMISBERG“ und „N 54“ beschriftet. Dass der Stein noch in späteren Jahren zu Grenzmarkierungen verwendet wurde, zeigen die verschiedenen Steinnummern an.

Nach Birkenfeld gerichtete Seite eines Grenzsteins von 1807 (Foto vom 2. April 2000).

Um die Vermessungsarbeiten für das Gebiet einer Gemeinde durchführen zu können, bediente man sich der Triangulation, einer Geländeaufnahme mit Hilfe der Festlegung eines Netzes von Dreiecken. Dabei wurden die Anfangs- und Endpunkte der Linien eines Dreiecks mit Vermessungssteinen markiert, die mit den Buchstaben „A“, „B“ und „C“ gekennzeichnet waren und mehrere hundert Meter auseinander standen.

Zwischen Schmißberg und Rimsberg liegt der Krausberg (499,6 Meter ü. NN), auch „Kraußberg“, „Grausberg“, „Galgenberg“ oder „Galgenhübel“ genannt. Die letzte Hinrichtung fand am 20. September 1757 statt. Damals wurde eine Birkenfelder Bürgerstochter von 29 Jahren enthauptet, die ihr uneheliches Kind getötet hatte.

Drei Vermessungssteine auf dem Krausberg gefunden

Auf diesem Krausberg befinden sich drei unterschiedlich große viereckige Steine, die als Vermessungssteine dienten oder dienen, darunter ein kleiner Granitstein aus neuerer Zeit als trigonometrischer Messpunkt. Etwa fünf Meter von diesem entfernt steht ein 30 × 30 Zentimeter messender Sandstein mit einer Höhe zwischen 60 und 65 Zentimeter. Nur auf seiner nach Südwest gerichteten Seite ist er beschriftet. Schwach waren (1997) noch die Buchstaben „…AUS“, darunter „BERG“ zu erkennen. Darüber ist ein kleiner Kreis mit aufgesetztem Dreieck eingemeißelt. Dieses Zeichen weist ihn als trigonometrischen Punkt aus. Eine Jahreszahl ist nicht vorhanden, sodass man den Zeitpunkt seiner Setzung nicht kennt.

Ein Grenzstein auf dem Krausberg, bei dem die Bezeichnungen leider nur sehr schwer zu erkennen sind.

Etwa sechs Meter neben dem kleinen Granitstein trifft man auf einen 37 bis 40 Zentimter hohen, schlecht erhaltenen Sandstein mit einer Kantenlänge von 26 × 30 Zentimeter. Seine Nordostseite ist mit einer Jahreszahl beschriftet, von der nur noch am Anfang eine „1“, am Ende eine „7“ zu erkennen ist, vermutlich die Jahreszahl 1807. Auf der gegenüber liegenden Seitenfläche sind ein großes „C“, darunter die Buchstaben „BAS“ noch schwach zu lesen. Ursprünglich lautete die Beschriftung „BASE“, aus dem französischen „base“.

Franzosen begründeten Kataster

Der Vermessungsstein markiert somit den Ausgangspunkt „C“ eines Dreiecks. Zu diesem Stein müssten also noch in größerer Entfernung die Steine „A“ und „B“ vorhanden oder vorhanden gewesen sein, die beiden anderen Endpunkte der Grundlinie des Dreiecks.

Der dreieckige Grenzstein von 1807 in der Nähe von Schmißberg und der Basis-Stein auf dem Krausberg sind die wenigen steinernen Hinterlassenschaften aus französisch-napoleonischer Zeit in der Umgebung von Birkenfeld. Mitunter trifft man noch im Hochwald auf Grenzsteine mit der Bezeichnung „FI“ oder „Fi“ (Forêt imperial = Kaiserlicher Forst/Wald) und „BC“ oder „Bc“ (Bois communal = Gemeinde-Wald), die ebenfalls aus dieser Epoche stammen.

Zugleich ist der Basis-Stein „C“ auf dem Krausberg ein Beleg für die Einführung des heute üblichen Katasters, das es ohne die Suche der französischen Verwaltung nach neuen Steuereinnahmen in dieser Form vermutlich nicht gegeben hätte.


Literaturnachweis/Quellen

  • Der Brockhaus, Geschichte, Mannheim 2006, hier S. 458.
  • Freckmann, Klaus, Dr., Frieß-Reimann, Hildegard: Kleine Denkmäler im Landkreis Kreuznach, Schriftenreihe des Freilichtmuseums Sobernheim Nr. 7, Sobernheim 1980, hier S. 72. Schmidt, Jürgen, Vermessungsoberamtsrat: Das Oldenburger Kataster im Fürstentum Birkenfeld, Herausgeber: Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz, Koblenz 2006, hier S. 24 und 29.
  • Den Hinweis auf den ehemaligen Standort des Steins verdanke ich dem leider verstorbenen Herrn Winfried Caspari aus Schmißberg.
  • Dreiecksaufnahme, auf Festpunkte bezogene Winkelmessung, aus der die geographischen Längen und Breiten auf der Erdoberfläche zu errechnen sind. Sie bildet die Grundlage für die genaue Vermessung und Kartierung eines Landes (Landesaufnahme). Durch die Triangula- tion wird ein Netz von messbaren Dreiecken gebildet, deren Ecken die trigonometrischen Punkte sind. (dtv-Lexikon Band 18, hier S. 306).
  • HKBir. 1961, hier S. 183 bis 188, Reitenbach, Albert: Die Hinrichtung einer Kindesmörderin in Birkenfeld 1757. Lohmeyer, Karl: Bearbeitung von Birkenfelder Kirchenbüchern Teil I., Birkenfeld 1909, hier S. 25.
  • base d ́un triangle = Ausgangspunkt der Grundlinie eines Dreiecks.
  • Verzeichnis von Personen eines Bezirks, das als Unterlage für die Steuerveranlagung und die Verteilung sonstiger Lasten dient. Die Angaben über Lage, Größe und Eigentümer der Grundstücke bilden die Grundlage für das Grundbuch. (dtv-Lexikon Band 10, hier S. 89.) Kurz gesagt: Gesamtheit der Aufzeichnungen, die die Besteuerung des Grund und Bodens betreffen. Das Kataster ist das einzig richtige Mittel, um zu einer gerechten und gleichmäßigen Verteilung der Steuern zu gelangen. (Stadt- und Landbote Nr. 44 vom 27. Oktober 1847).


Disclaimer – Dorfchronik

Die im Herbst 2022 erschienene Schmißberger Dorfchronik stellt eine beeindruckende Lektüre dar. Die Dorfchronik erhellt nicht nur die Geschichte Schmißbergs ab der ersten urkundlichen Erwähnung 1367, sondern behandelt auch die zahlreichen archäologischen Funde aus keltischer und insbesondere auch aus römischer Zeit. Florian Tanz vom Fachbereich Klassische Archäologie der Uni Trier stellt in der Schmißberger Dorfchronik beispielsweise in einem reich bebilderten Aufsatz die Forschungsgeschichte und die zahlreichen Befunde aus dem heutigen Schmißberger Umfeld dar.

Dorfchronik behandelt auch gesellschaftliches Leben

Daneben enthält die Dorfchronik aber auch zahlreiche Texte von Schmißbergerinnen und Schmißbergern, die das gesellschaftliche Leben der Gemeinde in der Vergangenheit und der Gegenwart abbilden. Darunter beispielsweise Berichte über die Feste in der Gemeinde sowie der Umbau des Schmißberger Schlachthauses in eine Dorfkneipe.

Die Arbeiten an der Schmißberger Dorfchronik dauerten etwas zwei Jahre. Das Buch ist während der Dorfmoderation und der Corona-Pandemie entstanden, was ein Arbeiten in Präsenz erschwerte. Herausgeber der Dorfchronik ist der Verein für Heimatkunde im Landkreis Birkenfeld.

Das Cover der Schmißberger Dorfchronik

Die Dorfchronik mit mehr als 230 Seiten kann zum Preis von 23 Euro bei Ortsbürgermeister Rudi Weber (06782 – 40439) aber auch per Mail unter info@schmissberg.de erworben werden.


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